Ev. Luth. Kirchgemeinde Pleißa

 

Andacht  

Im neuen Jahr 


Ich halte nicht viel von „Vorsätzen“ für das neue Jahr. Manche aber nutzen diesen Termin als Startimpuls, um irgendetwas neu zu versuchen wie z.B. mit dem Rauchen aufzuhören, pünktlicher sein oder etwas ähnliches. Mehr Zeit für Familie und Freunde und weniger Stress - das sind laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit die beliebtesten Vorsätze für das neue Jahr. Dabei kommen mir gerade diese beiden Dinge weniger wie Vorsätze vor, sondern eher wie Wünsche.

Solche Vorsätze zeigen immer auf, was fehlt und wonach wir uns sehnen. Manchmal halbherzig oder albern, manchmal aber auch ehrlich. Wenn sie ehrlich sind, dann vielleicht, weil sie das Ergebnis einer Bilanz sind: Schlussstrich unter das vorherige Jahr. Was hat gefehlt, was war zu viel, was ist gelungen? Überlegung für’s neue Jahr: Das, was gefehlt hat, nachholen. Das was zu viel war, sein lassen. Das, was gelungen ist, wiederholen oder genießen. Allerdings haben genau dadurch die guten Vorsätze immer einen schalen Beigeschmack. Weil sie in diesem Fall immer daran erinnern, was versäumt wurde.

Eine Sache, die ich an Vorsätzen nicht so gerne mag, ist die Tatsache, dass es so gut wie immer egozentrische Sätze sind. Selbst wenn es um Freunde geht: „ICH möchte mir mehr Zeit nehmen“. Moment mal: Sollte man den anderen nicht wenigstens vorher fragen, was der sich wünscht? Vielleicht ist der ganz zufrieden so, wie es ist. Auch bei andern Vorsätzen geht es immer nur um die Person selber: ICH will, ICH sollte, ICH muß - eine Karussellfahrt um die eigene Person.

Natürlich wäre es aberwitzig, nun den Vorsatz zu starten: Ich will weniger an mich denken. Das klappt nie. Da steht ja bereist im Vorsatz schon wieder zweimal das ich mit drin! Statt such auf diese Weise den nächsten Frust aufzuladen gibt es eine andere Möglichkeit.

Sonntag, der 2.1., gehört zum im Kirchenjahr zum sogenannten Weihnachtsfestkreis, der noch einen Monat andauert. Der Bibelvers, der über diesem Sonntag stet lautet (Joh 1,14):


Und wir sahen seine Herrlichkeit,

eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater,

voller Gnade und Wahrheit.


In dem Vers geht es um die Herrlichkeit Jesu, also um das Kind in der Krippe, das an Weihnachten geboren wurde. Durch den Bibelvers wird die „Herrlichkeit“ in Erinnerung gerufen. Als Jesus geboren wurde, waren nämlich auch ein paar Hirten Besucher der ersten Stunde. Die hatten auf dem Hirtenfeld etwas herrliches gesehen. Nicht nur ein Engel, sondern unüberschaubar viele waren zu ihnen gekommen. Sie sangen und waren fröhlich. Es war so, als wäre der Himmel plötzlich offen. Nachdem die Engel gegangen waren, waren die Hirten schnurstracks zur Krippe geeilt, um zu das Kind zu finden, das in einem Stall geboren worden war. Der Welt Heiland kommt in ärmlichster Umgebung zu uns. Das ist reine Gnade!

In keinem Augenblick geht es in der ganzen Geschichte um Selbstsucht. Maria denkt nicht an sich, sondern daran, dass ihr Sohn der Heiland der Welt wird. Josef kümmert sich um Frau und Kind, weil diese Hilfe brauchen. Die Hirten bleiben nicht für sich selbst, sondern müssen die Freude über die Engel und die frohe Botschaft erst in den Stall bringen und danach verkündigen sie die Botschaft allen Nachbarn, Bekannten und zufälligen Passanten. Sie haben die Herrlichkeit gesehen und müssen davon weitersagen.

Statt Vorsätze für das neue Jahr nehmen wir wie die Hirten die Herrlichkeit von Weihnachten mit ins neue Jahr und erzählen davon jedem der es hören will. Von der Gnade, die uns allen gilt, ob groß, ob klein, ob jung, ob alt, ob dumm, ob klug, ob gesund, ob krank.



Ein gesegnetes neues Jahr

wünscht Ihnen

Ihr Pfr. Mika J. Herold