Ev. Luth. Kirchgemeinde Pleißa

 

Andacht  

Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, 

sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, 

damit es Segen bringe denen, die es hören.       (Eph 4,29)


Ungezählt viele Worte strömen auf uns Menschen ein. Von frühester Kindheit bis ins hohe Alter ist das auch wichtig. Säuglinge und Kleinkinder brauchen Worte so dringend wie Nahrung. Kinder und Jugendliche fragen ihren Eltern ein Loch in den Bauch und reden manchmal wie ein Wasserfall. Erwachsene können nur durch Worte Gedanken und Gefühle austauschen. Eine Ehe kann nur gelingen, wenn die Ehepaare miteinander reden - über wichtiges und unwichtiges. Jede Beziehung lebt vom Gespräch: Sogar die Beziehung zum dreieinigen Gott! Denn der Glaube erblüht, wenn wir auf das hören, was er sagt, und wir ihm im Gebet alles das sagen, was uns bewegt. Worte und Gespräche sind unbedingt wichtig, sie gehören zum Leben dazu. Damit mag es zusammenhängen, dass Menschen ohne Gehört viel häufiger missmutig sind als Menschen ohne Augenlicht. Unter Blinden gibt es sogar manche Frohnatur, unter Tauben viel seltener.

Weil wir Worte und Gespräche so nötig haben, ist es so wichtig darauf zu achten, was wir sagen. Der Monatsspruch aus dem Neuen Testament umschreibt in aller gebotenen Kürze, worauf du achten sollst bei allem, was du sagst.

  • Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen“. Es geht um Mundhygiene! Genauso wenig wie du faules Obst in den Mund hineinschiebst, soll faules Gerede herauskommen. Vergammelte Speisen würde kein Mensch essen; vergammelte Worte kommen immer wieder aus dem Mund. „Faules Geschwätz“ sind Worte, Sätze, Zusammenhänge, deren Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten ist
  • redet, was gut ist“. Ist das, was du zu sagen hast, etwas Gutes oder etwas schlechtes? Im Kleinen Katechismus heißt es in der Erklärung zum 8. Gebot, dass wir „unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.“ Hand auf’s Herz: Was redest du über deinen Nächsten? Nur Gutes? Entschuldigst du ihn oder beschuldigst du ihn?
  • redet, … was erbaut“. Eine für Christen wichtige Rückfrage ist die  Verankerung im Glauben. Wenn ich mit dem anderen rede: Sollen ihn dann meine Worte erbauen, also im Glauben weiterbringen? Das ist der Unterschied zwischen: „Herzlichen Glückwunsch“ und „Ich wünsche dir Gottes Segen!“
  • redet, … was notwendig ist“. Sehr selten stellt sich jemand die Frage, ob das, was geredet wird, notwendig ist. Hast du immer getadelt und ermahnt, die Kinder (oder Enkel) zur Räson gerufen, wenn es dran war? Hast du gelobt, wenn es dran war? Wer an falscher Stelle schweigt, sündigt doppelt: Wer ein Kind aus angeblicher Liebe nicht ermahnt, hat bald ein verzogenes, ungehorsames Balg. Wer immer nur tadelt, erschafft sich eine lieblose Welt.
  • … damit es Segen bringe“. Aus unseren Worten kann der Beistand Gottes herauszuhören sein. Es kann aber auch eine Last und ein Fluch sein, den wir anderen aufbürden. Wähle daher sorgsam aus, was du dem anderen zumutest, wenn du deine Worte weitergibst. Sind deine Worte (dein Lob, dein Tadel) dem anderen ein Segen?  
  • „denen, die es hören“. Bei allen Worten, die wir Menschen unserem Gegenüber zumuten, sollte es uns zuerst um den gehen, der zuhört. Also nicht: Rede, wenn du ein Mitteilungsbedürfnis hast. Sondern: Rede, wenn dein Gegenüber ein gutes, erbauendes, notwendiges, segensreiches Wort braucht. Schwerpunkt unserer Worte ist der Nutzen des anderen, nicht der eigene Nutzen.

Nun mag wohl mancher einen Einwand geltend machen: „die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel“ (Jak 3,8) Das ist wohl war. Es darum aber erst gar nicht zu versuchen, hieße, Gottes Wort nicht ernst nehmen. Doch, wir sollen durchaus uns bemühen, unsere Worte richtig zu verwenden. Wenn es aber misslingt, dürfen wir Sonntag für Sonntag unser Sünde bekennen und Vergebung empfangen - schon wieder ein richtiger Gebrauch der Worte!



Immer die richtigen Worte

wünscht Ihnen

Ihr Pfr. Mika J. Herold